Archiv für September 2009

Das war wohl nix.

So etwas passiert, wenn Werner Alexander Emilio W. sich aus lauter Profilierungsdrang vor seinen „Kameraden“ in der Internet-Community SchülerVZ nicht mehr beherrschen kann. Er kann offensichtlich nicht nur Antifaschist_innen bedrohen, um sich dann von den älteren „Gladiatoren“ beschützen zu lassen. Auch das schlimmste Verbrechen in der bisherigen Geschichte der Menschheit leugnet er ohne schlechtes Gewissen und findet sich auch noch lustig dabei.

Dass die „Holoklaust“-Leugnung kein schlechter Witz ist, sondern den Straftatbestand der Volksverhetzung darstellt, scheint ihm dann wohl doch klar geworden zu sein. Denn nur wenige Minuten später war die antisemitische Hetze wieder verschwunden, nun ersetzt durch einen Pinnwandeintrag in ganz anderem Tonfall.

Lieber Emilio, in Zukunft solltest du mal ein Geschichtsbuch ohne gefälschte „Beweise“ zur Hand nehmen und begreifen, dass eine geschichtliche Tatsache keine „Meinung“ ist, die mensch verdrehen kann.

Wahlk(r)ampf

In der Schlussphase des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2009 wurde auch die NPD so langsam munter. Obwohl die anderen Parteien mit Plakaten im Großformat bereits seit Wochen auf Stimmenfang waren, bekam man von der rassistischen Propaganda der Nazipartei in Buchholz und Tostedt noch nicht viel mit.
Schließlich wurden drei Tage vor der Wahl, also am Donnerstag, dem 24.9., doch etwa 40 Plakate aufgehängt.
Besonders betroffen war die Strecke an der B75 von Dibbersen bis nach Tostedt sowie der Nordring am Rande des Buchholzer Gewerbegebietes.
Etwa einen Tag später waren alle Plakate wieder verschwunden.

Was bisher geschah…

Keines der Ereignisse liegt länger als ein Jahr zurück.


* Eine linke Jugendliche, die zuvor in der Nähe einer antifaschistischen Kundgebung gesehen wurde, wird von ca. 5 Neonazis in einen VW-Bus gezogen, bedroht und anschließend verprügelt. Ein Passant findet sie regungslos am Straßenrand. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert.

* Drei vermummte Neonazis versuchen, durch die Hintertür in das Zimmer eines Antifas einzudringen, während er schläft. Durch Zufall betritt der Vater den Raum und kann sie im letzten Moment zur Tür hinaus drängen.

* Eine private Feier von und AnhängerInnen der Punkszene aus Tostedt wird von einer Gruppe Neonazis angegriffen. Sie werden von den BesucherInnen vertrieben.

* In Buchholz wird die Haustür eines Sankt-Pauli-Ultra‘ eingetreten und mit „Anti-Antifa“ Aufklebern versehrt.

* In Folge dessen findet eine antifaschistische Demonstration durch die Buchholzer Innenstadt statt, die von einer Gruppe aus etwa 15 Nazis angegriffen wird. Zuvor hatten sie versucht, einige DemonstrantInnen abseits der Demo in einem Supermarkt anzugreifen. Nach der Veranstaltungen flüchten sie zur Polizeiwache, weil sie sich gegenüber den DemonstantInnen in der Unterzahl sehen.

* In Buchholz werden zwei alternative Jugendliche von 3 Neonazis mit Pfefferspray angegriffen.

* Ein vermeintlicher „politischer Gegner“ wird auf einer Party von einem jungen Neonazi in eine Falle gelockt, wo er von 10 seiner Kameraden umringt und verprügelt wird.

* In Hollenstedt wird ein Jugendlicher in der Schule von zwei Neonazis verprügelt.

* In der Diskothek „Padam Riepe“ wird ein Jugendlicher von einer Gruppe Neonazis mit „Gladiator Germania“-Shirts angegriffen. Mehrere Jugendliche eilen dem Opfer zur Hilfe und sehen sich daraufhin ebenfalls den Angriffen der Nazis ausgesetzt. Die Schlägerei wird von der Polizei auf gelöst.

* Am 1.Mai 09 probiert eine Gruppe von ca. 30 AnhängerInnen der Neonaziszene Norddeutschlands eine Spontankundgebung von AntifaschistInnen in Tostedt anzugreifen. Sie werden an der zweiten Polizeisperre aufgehalten. Unter den bekannten Nazis sind AnhängerInnen von „Galdiator Germania“ und den „Freien Nationalisten Tostedt“ sowie den „Snevern Jungs“ und den Freien Kräften aus Hildesheim.

* Am Rande der antifaschistischen Kundgebung wird ein Nazi von der Polizei verhaftet, da er den Hitlergruß zeigte.

* In den Abendstunden des 1. Mai wurden zwei alternative Jugendliche von 3 „Gladiatoren“ zusammen geschlagen, die in Autos herumfuhren und nach Opfern suchten. Die beiden müssen anschließend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Stefan Silar war beteiligt, blieb aber im Hintergrund stehen.

* In Hollenstedt und Tostedt wird mehreren Jugendlichen, die sich wiederholt gegen Nazis ausgesprochen hatten, der Zutritt zu öffentlichen Festen wie dem Schützenfest von Neonazis untersagt. Sie werden systematisch ausgeschlossen und terrorisiert, ohne dass sich die Bürger daran stören.

* Ein Anhänger der Punkszene in Tostedt wird auf einer Party ins Gebüsch gezogen und dort von mehreren Neonazis verprügelt.

* In der Diskothek „Padam Riepe“ wurde ein „politischer Gegner“ von einer Gruppe von 30 Neonazis angegriffen.

* Das Haus eines Jugendlichen, der für seinen „offenen Brief“, in dem er die Politiker zur Schließung von Streetwear Tostedt aufgefordert hatte, über 400 Unterschriften gesammelt hatte, wird von einer Gruppe Neonazis angegriffen. Mehrere Scheibe gehen zu Bruch, seine Familie befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch im Haus. Über die Lokalzeitung hatten die Nazis seinen vollen Namen erfahren.

* Eine Demonstration zu diesem Anlass wurde von mehreren AnhängerInnen der neonazistischen Szene gestört.

* Bei einem „Andersdenkenden“ wird der Zaun eingetreten.

* Im Verlauf des Todtglüsinger Schützenfestes wird ein Jugendlicher von einer ca. 20-köpfigen Gruppe Neonazis verprügelt. Dem Jugendlichen wird die Nase gebrochen, er erleidet mehrere Prellungen. Anschließend zieht die Gruppe Neonazis in den Nachbarort, um das Haus eines anderen Jugendlichen anzugreifen.

* Das Auto eines Jugendlichen wird mehrmals von Neonazis angegriffen und zum Teil schwer beschädigt.

* In Tostedt und Wistedt patroullieren Neonazis regelmäßig vor den Häusern von „politischen Gegnern“ und alternativen Jugendlichen.

* In Wistedt wird einem alternativer Jugendlichen von 3 Neonazis aufgelauert. Er wird bedroht und eingeschüchtert.

* In Hollenstedt wird einem Jugendlichen auf offener Straße der Lauf eines Gewehres ins Gesicht gehalten. Er erhält eindeutige Drohungen.

* In Tostedt hat sich eine Anti-Antifa-Struktur gebildet. Die AnhängerInnen fotografieren und sammeln Informationen von Antifas und anderen „politischen Gegnern“.

* Neonazis suchen mit Steckbriefen nach „politischen Gegnern“ in Tostedt. Auf Informationen zu den „Gesuchten“ wird ein Kopfgeld in unbekannter Höhe ausgesetzt.

* Zwei Neonazis stoßen einen Antifaschisten vom Fahrrad und zerstören es vor seinen Augen.

* Dieselbe Person wird mit seiner Freundin von einer Gruppe von Nazis mit Baseballschlägern verfolgt.

* Neonazis veröffentlichen Fotos von ihnen bekannten Gegnern in Internet-Communitys und versehen sie mit dem Aufruf: „Dich kriegen wir auch noch!“

* 2 Neonazis versuchen, das Wohnhaus eines Jugendlichen mit Steinen anzugreifen. Die beiden werden rechtzeitig erkannt und von der Polizei aufgegriffen.

* In Sittensen werden die Scheiben eines alternativen Jugendlichen eingeschmissen.

* Eine interne Schulveranstaltung zum Thema „Neofaschismus“ wird von einer Gruppe Neonazis gestört. Mit dabei sind unter anderem Stefan Silar und Matthias Behrens, der Kandidat der NPD aus Schneverdingen. Matthias Behrens wird aus dem Saal getragen, da er sich weigert, zu gehen.

* Eine Gruppe von 15-20 Neonazis randaliert auf dem Buchholzer Stadtfest. Die ganze Gruppe bekommt einen Platzverweis für die Buchholzer Innenstadt. Am Rande des Stadtfestes kommt es an mehreren Stellen zu Pöbeleien und Drohungen.

Wer wir sind. Was wir wollen.

Springerstiefel, Quarzsandhandschuhe, Teleskopschlagstöcke. Immer gefährlicher wird die Standardausrüstung eines modernen Neonazis, immer massiver wird eingeschüchtert, bedroht, zugeschlagen, immer hemmungsloser und ausgefeilter werden die Taktiken.
Die Opfer neonazistischer Gewalt werden oft verschwiegen oder herabgewürdigt, PolitikerInnen und AnwohnerInnen halten sich Ohren und Augen zu und linke AktivistInnen erfahren massive Repression seitens des Staates, während die Nazis ihre Strukturen festigen und weiter in die Mitte der Gesellschaft drängen.
Rechte Gewalt ist keine Randerscheinung. Fast täglich gibt es rassistisch oder nationalistisch motivierte Übergriffe, aber die Medien berichten erst dann ausführlich, wenn es einen Polizeipräsidenten betrifft oder „linksautonome Gewalttäter“ ihre Wut und Frustration durch Sachbeschädigung artikulieren.

Kraut Detection ist ein antifaschistisches Projekt. Wir machen uns zur Aufgabe, über die Naziszene zu informieren und jede Art von rechter Gewalt aufzuzeigen, um den Opfern unsere Solidarität auszusprechen und die Übergriffe nicht in derselben Dunkelheit zu lassen, in deren Schutz sie verübt wurden.
Gewalt kann sich auf viele Arten zeigen. Physisch oder psychisch, direkt oder indirekt, durch Worte, Schläge, Blicke. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder objektive Berichterstattung, denn das sollte eigentlich die Aufgabe der offiziellen Medien sein.

Dabei beschränken wir uns aufgrund unserer begrenzten Kapazitäten auf die Berichterstattung in der nordwestlichen Lüneburger Heide, also den Raum um Buchholz, Tostedt und Sittensen.
Unsere Solidarität hingegen kennt keine geographischen Grenzen.

Kraut Detection ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zu einer freien, emanzipatorischen Gesellschaft.