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Antifa Kundgebung mit LKW-Konzert

Am 10. September 2011 findet im niedersächsischen Dorf Tostedt eine antifaschistische Kundgebung mit LKW-Konzert statt. Unter dem Motto „Love Music, Hate Fascism – Für eine antifaschistische Jugendkultur!“ hat die Kampagne Landfriedensbruch diese erneute Antifa-Aktion in Tostedt organisiert.
Mehrere Bands wollen gemeinsam mit Antifas den Ort rocken und örtliche Antifa-Strukturen stärken.

Tostedt? Dazu fällt einem zumeist erst der Naziterror im Örtchen in der Nordheide ein. Seit Jahren ist in Tostedt eine aktive und gewalttätige Neonaziszene etabliert. Durch unzählige Übergriffe auf alle Menschen, die sie als Gegner_innen ausgemacht haben, versuchen die örtlichen Nazis eine rechte Hegemonie in Tostedt herzustellen. Das rechte Problem wurde dort zumeist totgeschwiegen oder verharmlost. In den 1990er Jahren wurden die Nazis sogar durch ein Streetworkprojekt gefördert, während gleichzeitig antifaschistische Initiativen kriminalisiert wurden.

Bis heute hält der niedersächsische Inlandsgeheimdienst, der sog. „Verfassungsschutz“ und das Landeskriminalamt seine schützenden Hände über die Nazis. Nur wenn es zu öffentlichen Protesten oder einer überregionalen medialen Resonaz kommt, gehen auch die Behörden gegen die Nazischläger vor. Dreh- und Angelpunkt der extrem rechten Szene in Tostedt ist das Ladengeschäft „Streetwear Tostedt“. Betrieben wird dieser Laden vom Naziaktivisten und verurteilten Totschläger Stefan Silar. Dieser ist nicht nur Anführer der regionalen Szene, sondern gehört auch dem Führungskreis der norddeutschen Naziszene an und organisiert regelmäßig RechtsRockkonzerte.
Für nicht-rechte und antifaschistische Jugendliche war Tostedt über Jahre fast eine NoGo-Area. Wer sich dort gegen Rechtss engagierte, musste mit Übergriffen rechnen. Eingeschlagene Fensterscheiben, beschädigte Autos, Bedrohungen auf offener Straße und Überfälle waren die Antworten der Nazis.
Im Oktober letzten Jahres haben sich verschiedene antifaschistische Gruppen aus Niedersachsen und Hamburg zur Kampagne Landfriedensbruch zusammengeschlossen, um die Tostedter Verhältnisse zu verändern, den Naziterror zu stoppen und antifaschistische Initiativen vor Ort wieder aufzubauen und zu stärken. Offensiv soll sich den Nazis dort entgegengestellt werden. So fanden u.a. Flugblattaktionen, Infoveranstaltungen, Kundgebungen und eine Demonstration statt. Mittlerweile konnten die Aktivitäten und Übergriffe der Nazis eingeschränkt werden.

Um auch weiterhin den Nazis in Tostedt auf die Füße zu treten und gleichzeitig eine antifaschistische Jugendkultur zu stärken, findet am 10. September 2011 eine antifaschistische Kundgebung mit Konzert statt.

Um die Situation in Tostedt nachhaltig zu verändern und die Neonazis zurückzudrängen, ist ein langer Atem und kontinuierliches antifaschistisches Engagement erforderlich.
Die Kundgebung mit Konzert richtet sich zum einen gegen nationalistische, rassistische und sexistische Denkweisen und zum anderen soll Jugendlichen eine Plattform geboten werden, sich zu informieren und auszutauschen. Auf Wunsch Tostedter Jugendlicher findet die Veranstaltung am 10. September 2011 statt, um ihnen einen Raum ohne Nazis zu schaffen und sie in ihrem Engagement vor Ort zu unterstützen. Erklärtes Ziel der Kampagne Landfriedensbruch ist es, mit unterschiedlichen Aktionen Aufklärung zu leisten und zu antifaschistischem Handeln gegen Neonazis in Tostedt und anderswo zu motivieren.

Landfriedensbruch.tk

Vortrag über Tostedter Verhältnisse in Buxtehude

In antifaschistischen Kreisen ist es hinlänglich bekannt, dass in Tostedt unerträgliche Verhältnisse herrschen. Jede_r die/der sich in dem Ort gegen Naziaktivitäten engagiert, wird selbst zum Ziel gewalttätiger Attacken.
In der Presse wird das Thema verharmlost, Opfer zu Tätern gemacht, und die angeblichen Erfolge der Polizei zum Anlass genommen, die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, werden Aktivisten aus Lüneburg und Tostedt einen Vortrag halten mit dem Titel: „Was ist los in Tostedt? Infoveranstaltung zu den Naziaktivitäten und Strukturen in Tostedt, wie diese sich dort etablieren konnten und was dagegen getan werden kann.“

Datum: 26.01.11 ab 19:00

Achtung! Der Veranstaltungsort wurde geändert. Jetzt:
Ort: Opiz in Buxtehude (An der Rennbahn 9a)

Ankündigung der Antifa Buxtehude

Vortrag im Antifa-Cafè Hamburg

Freitag 01.10. – geöffnet ab 19:00, Veranstaltungsbeginn 20:00 Uhr
Hafen-VoKü, Hafenstrasse 116, 20359 Hamburg
Der Tofu-Club bietet Hot-Dogs an.

AntifaschistInnen aus Tostedt sind zu Gast und berichten über die aktuelle Situation in ihrer Stadt. Der kleine Ort in Niedersachsen ist dieses Jahr aufgrund von gewalttätigen Übergriffen von Nazis auf linke Jugendliche vermehrt in die Schlagzeilen geraten. Der Großteil dieser Übergriffe findet allerdings im Verborgenen statt und schafft es weder in die Öffentlichkeit noch finden sie sich in den offiziellen Statistiken rechter Gewalttaten.
Es ist mehrheitlich die Rede von Rivalitäten unter Jugendlichen; ein politischer Hintergrund wird geleugnet. Dabei wird jedoch nicht nur die aktuelle Situation falsch dargestellt, sondern auch übersehen, dass es sich bei der Neonaziszene in Tostedt um eine seit mehreren Jahren gewachsene Struktur handelt, die sich erst durch aktive Unterstützung von staatlicher Seite in diesem Maße etablieren konnte.
Mit der Veranstaltung möchten wir eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Der Zustand der Verharmlosung ist nicht länger hinnehmbar.

>> Antifa-Cafè Hamburg

Zeit-Blog über Tostedt und „Extremismus“

Wir dokumentieren folgenden Artikel, erschienen im „Störungsmelder“ des Zeit-Blogs am 15.7.2010 um 17:33 Uhr:

Die Folgen der Extremismus-Debatte – das Beispiel Tostedt

Die Formel vom politischen »Extremismus« hat aktuell Hochkonjunktur. War die Extremismus-Theorie lange Zeit Spielwiese konservativer Wissenschaftler und bestimmter Abteilungen des Verfassungsschutzes, so ist sie nun durch die Debatte um die Ausweitung der Bundesprogramme gegen “Rechtsextremismus” u.a. auf “Linksextremismus” durch die neue Familienministerin Schröder in Mode gekommen – mit fatalen Folgen. Die Gleichsetzung von “Rechts” und “Links” verharmlost und relativiert Nazi-Gewalt.

Nach der Extremismus-Theorie gibt es die auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung basierende gesellschaftliche Mitte – und die extremistischen Ränder, welche ebendiese Mitte gefährden. So oder ähnlich lässt sich die ideologisch motivierte Theorie in Kurzform zusammenfassen, die spätestens seit Familienministerin Schröder wieder durch die Diskurse geistert und ihren Ursprung in den Veröffentlichungen der konservativen Politikwissenschaftler Jesse und Backes haben (mehr über die auch in den Sozialwissenschaften deutlich in der Kritik stehende Theorie hier oder hier ab Seite 9).

Die Extremismustheorie ignoriert bewusst, dass beispielsweise der Nationalsozialismus nur möglich war, weil Antisemitismus, Antikommunismus und antidemokratische Einstellungen bis weit in die Mitte der deutschen Gesellschaft verankert waren. Wie absurd und politisch gefährlich die Gleichsetzung von »Links« und »Rechts« ist, belegen zudem die aktuellen Zahlen des Opferfonds CURA. CURA veröffentlichte erst kürzlich eine neu überarbeitete Liste der Todesopfer rassistischer und neonazistischer Gewalt. Von 1990 bis heute wurden 149 Menschen ermordet. Während das Bundeskriminalamt in einer Ende 2009 veröffentlichten Stellungnahme von lediglich 47 Todesopfern ausgeht, berücksichtigt CURA auch solche Mordtaten, die nicht von offensichtlich bekennenden Neonazis verübt wurden. Aufgenommen wurden auch Fälle, die aus neonazistischen und rassistischen Motiven – und dazu zählt auch der Hass auf ›Andersartige‹, ›Fremde‹ oder ›Minderwertige‹ – begangen wurden oder wenn dafür plausible Anhaltspunkte bestehen. Diese erhebliche Differenz aufgrund der Zählweise verdeutlicht: Der Extremismusansatz verunmöglicht es, rassistische, nationalistische und antisemitische Motivationen als gesamtgesellschaftliches Problem, als deutsche »Normalität«, zu begreifen und adäquat zu bekämpfen. Im Gegenteil: Es kommt zu einer Ausblendung und Verharmlosung.

Das Beispiel Tostedt

Wie hier im Störungsmelder schon mehrfach berichtet (hier und hier), ist im Landkreis Harburg seit geraumer Zeit eine neonazistische Schlägerstruktur mit Kameradschaften, einem eigenem Laden und neuerdings mit einer unheilvollen Verbindung aus Rockerclubs und Nazisszene dabei, den Landkreis mittels SA-ähnlichem Terror zu einer Art “National befreiten Zone” umzufunktionieren: da werden antifaschistische Jugendliche in ihrer Wohnung im Schlaf überfallen und verprügelt, Verletze und Übergriffe sind mittlerweile an der Tagesordnung (hier findet sich eine kleine Chronik der Übegriffe aus 2009). Am Pfingstwochenende diesen Jahres kommt es nun zu einer weiteren Eskaltion der Nazi-Gewalt, als nachts eine alternative WG von einer Horde Nazis angegriffen und die Bewohner/innen dabei mit Klappspaten krankenhausreif geprügelt werden. Die viel zu spät eintreffende Polizei lässt die Nazis laufen, stürmt dagegen das Haus und durchsucht dieses ebenso wie die Angegriffenen. Alle Angegriffenen haben mittlerweile Anzeigen wegen “Schwerer Körperverletzung” erhalten.

Über eine spontane Protestdemonstartion am darauffolgendem Tag schreiben Augenzeugen im Blog “Kraut Detection”, auf dem seit vergangenem Jahr Nazi-Übergriffe bekannt gemacht werden: “Am nächsten Tag gab es als Reaktion auf den Angriff eine Spontandemonstration in Tostedt. Vor dem Neonaziladen „Streetwear Tostedt“ in Todtglüsingen hatte sich eine 23- köpfige Gruppe bewaffneter Neonazis versammelt, Stefan Silar trug unter anderem ein Messer und Vogelschreck bei sich. Direkte gewaltsame Konfrontationen mit Neonazis gab es trotz mehrmaliger Provokation nicht. Dennoch wurden alle DemonstrationsteilnehmerInnen auf einer Bahnbrücke eingekesselt, komplett durchsucht und in einen Zug Richtung Hamburg gezwungen, obwohl mehrere Personen ihr Auto oder ihren Wohnsitz in Tostedt hatten oder eigentlich den Zug in die Gegenrichtung Bremen hätten nehmen müssen. Abseits des Bahnhofs wurden mehrere Autos kontrolliert, handelte es sich bei den Insassen um Jugendliche, erhielten sie einen Platzverweis für die gesamte Stadt Tostedt. Nach den Vorkommnissen dieser Tage bemühten sich mehrere PressevertreterInnen um Informationen bei der Polizei. Der Angriff in Wistedt wurde dabei auch bei mehrmaliger Nachfrage verschwiegen oder Informationen verweigert. Über die Spontandemonstration hieß es, gewaltbereite „Linksextremisten“ seien nach Tostedt gereist, um die Konfrontation mit den „Rechten“ zu suchen. Kein Wort über neonazistische Gewaltexzesse. Kein Wort über den Grund der Spontandemonstration. Kein Wort über bewaffnete Neonazis und Linke, die weder Steine noch Flaschen warfen geschweige denn die Bullen angriffen. Ähnlich lautete dann auch der Tenor in der Lokalpresse, wo die AntifaschistInnen auf unseriöse Weise diskreditiert wurden. “

Neben der Untätigkeit und dem gezielten Abwiegeln der Polizei (O-Ton Polizeichef im Landkreis Harburg, Uwe Lehne : “Tostedt ist Bunt. Braun ist auch eine Farbe.”) führt die unhaltbare Gleichsetzung von Links und Rechts mittels der Extremismus-Theorie und die damit einhergehende Entpolitisierung des Konfliktes nun dazu, dass die Polizei mit Führerscheinentzug bei politischen Straftaten droht – egal um was und wen es geht.

Doch die Gleichsetzung von Opfern und Tätern geht noch weiter. Anstatt sich uneingeschränkt solidarisch mit den von Nazi-Gewalt immer wieder betroffenen antifaschistischen Jugendlichen zu erklären und beispielsweise in einer gemeinsamen Veranstaltung die Nazi-Übergriffe zu thematisieren, zeigt das “Forum für Zivilcourage” in Tostedt, welches ansonsten durch die Thematisierung von Nazi-Gewalt wertvolle Arbeit in der Region leistet, durch die Vermittlung der Polizei Tostedt ab Ende August die Ausstellung des Landesverfassungsschutzes Niedersachsen zum Thema Rechtsextremismus und eben auch Linksextremismus. Botschaft dieser Ausstellung dürfte ebenso sein: Links gleich Rechts. Alles irgendwie gleich und irgendwie abzulehnen. Alles Extremisten. Dass Nazis seit geraumer Zeit versuchen, alles was anders ist, im Landkreis von der Straße zu prügeln, ist dann kein Thema mehr. Und dass diejenigen, die sich noch gegen diesen Terror wehren, mit den Nazi-Tätern auf eine Stufe gestellt werden, ebensowenig.

Auf der Welle des Extremismus-Diskurses ist es einer offenbar auf dem rechten Auge sehr sehschwachen Polizei gelungen, zivilgesellschaftliche gegen antifaschistische Kräfte auszuspielen und dabei die antifaschistischen Jugendlichen in der Öffentlichkeit als ebenso gefährlich wie die Nazis zu diskreditieren und kriminalisieren. Gerade antifaschistische Jugendkulturen gehören für Nazi-Strukturen jedoch zu den schwierigsten Hindernissen beim Aufbau von nationalen “No-Go-Areas” . Sie stehen den Nazis beim Aufbau einer jugendkulturellen Hegemonie im Weg, da sie sich nicht einfach so einschüchtern lassen und selbst eine eigene jugendkulturelle Alternative bieten.

Umso stärker ist den zivilgesellschaftlichen Kräften im Landkreis Harburg anzuraten, das breite Bündnis mit den Angegriffenen zu suchen, um Schritt für Schritt die Nazis effektiv zurückzudrängen. Die Extremismus-Theorie will jedoch genau dies verhindern – sie kriminalisiert antifaschistisches Engagement und stärkt damit den Vormarsch der Nazis. Die Extremismus-Theorie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte – sie ist einfach zu gefährlich.

>> Hier geht’s zum Original

Wir hätten es nicht besser ausdrücken können :)
Vielen Dank an den aufmerksamen Leser und Autor des Artikels Jan Jetter

Antifa-Cafe: „Tostedt bietet Lebensqualität!“

Infoveranstaltung zur Neonaziszene in Tostedt und Buchholz
im Infocafe Anna&Arthur

In der Selbstdarstellung beschreibt sich das Örtchen Tostedt als „ein attraktiver Wohn- und Geschäftsort wenige Kilometer südwestlich von Hamburg“, dessen „EinwohnerInnenzahl stetig ansteigt“. Stetig ansteigen tun dort aber auch neofaschistische Überfälle und andere Nazi-Aktivitäten. Seit Ende der 1980er Jahre gehört die Region um Tostedt zu den Schwerpunktgebieten extrem rechter Aktivitäten. Dort waren nicht nur die FAP oder „Blood & Honour“ zuhause, dort kam es auch immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit Nazis und brutalen Überfällen durch Nazis. Heute rangiert Tostedt in der Statistik „rechtsextremer Straftaten“ in Niedersachsen an erster Stelle.
Die Gewalt mit der die Neonazis dabei vorgehen, erreichte am 23. Mai
2010 eine neue Dimension: Bei einem nächtlichen Angriff in Wistedt versuchten mehr als ein Dutzend Neonazis die Wohnung eines nichtrechten Jugendlichen zu stürmen, dabei setzen sie neben Knüppeln auch Schaufeln als Waffen gegen die Jugendlichen die sich in der Wohnung befanden ein. Die Neonazis verletzten dabei mehrere Menschen teils schwer. Die rechten Täter entstammen alle aus der Naziszene rund um den Szeneladen „Streetwear Tostedt“, der vom dem verurteilten Totschläger Stefan Silar betrieben wird. Rechtsorientierte Jugendliche und Neonazis sind in den örtlichen Kameradschaften“Gladiator Germania“, „Nationaler Widerstand Tostedt“ und „Freie Kameradschaft Bucholz“ eingebunden. Neofaschistische Strukturen konnten sich durch in einem Klima der Angst, Ignoranz, des Wegschauenes aber auch der nicht nur klammheimlichen Unterstützung etablieren.

Was ist los in Tostedt?
Infoveranstaltung zu den Naziaktivitäten und Strukturen in Tostedt, wie diese sich dort etablieren konnten und was dagegen getan werden kann. Mit Antifaschist_innen aus Tostedt und der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen

3.9.2010

18.30h VoKü
19.30h Infoveranstaltung

Katzenstraße 2, Lüneburg

„In der Gruppe sind sie stark“

Trotz zahlreicher Repressionsversuche seitens der Bullerei kommt Tostedt nicht zur Ruhe. Besonders was Einschüchterungsversuche gegenüber alternativen Jugendlichen angeht, ist der „NW Tostedt“ wieder mal ganz vorne mit dabei. Ihre vermeintliche Macht demonstrieren die Neonazis verstärkt dadurch, dass sie wesentlich jüngere und zahlenmäßig unterlegene Jugendliche psychisch unter Druck setzen wollen.

So kam es Ende Juli am hellichten Tag zu einem Übergriff in der Tostedter Innenstadt auf einen Antifaschisten, der in den letzten Monaten wiederholt Drohungen ausgesetzt war. In der Bahnhofstraße begegnete er zwei bekannten Neonazis aus dem Umfeld von „Gladiator Germania“, die ihn sofort attackierten. Die kräftig gebauten Neonazis schlugen dem Antifaschisten mehrfach mit der Faust ins Gesicht, brachten ihn zu Boden und traten noch einige Male auf die am Boden liegende Person ein. Außerdem zerstörten sie durch gezielte Tritte das mitgeführte Fahrrad. Nach diesem überraschenden Übergriff verschwanden die Täter ohne jede Hast in Richtung Innenstadt.

Auch die Discothek „Padam Riepe“ diente den Tostedter Neonazis wieder einmal als Ort zum Feiern, zum Provozieren und als geeigneter Ort, um alternative Jugendliche durch Drohungen und körperliche Übergriffe einzuschüchtern. Ursprünglich galt die Disco als Treffpunkt für linksalternative Personen, auch Antifa-Plakate hingen an den Wänden. Eigenhändig verwies der Besitzer Neonazis unsaft seiner Discothek. Doch diese Zustände haben sich seit den 90er Jahren rapide geändert.
Vielen Jugendlichen bleibt besonders die starke Neonazipräsenz in der Diskothek in Erinnerung. Nicht selten posieren einheitlich im „Gladiator Germania“-Shirt oder mit anderen offensichtlichen Kleidungsstücken gekleidete Neonazis mit einer Gruppenstärke bis zu 20 Personen am Rande der Tanzfläche oder spielen sich als Security auf. Neben den Neonazis tummelt sich im „Padam“ auch das rechtsoffene Umfeld der Neonazis. Gemeinsam mit den Neonazis beteiligen sich deren Sympathisant_innen an Angriffen und Hetzjagden, unter anderem auf zwei Journalisten, die kritisch über die Neonaziszene berichten. Nicht selten enden diese versuchten Übergriffe in Massenschlägereien.
Linksalternative Jugendliche trauen sich oft nicht mehr nach Riepe, oder sie werden während ihrer Anwesenheit in der Disco daran erinnert, warum das „Padam“ als Nazischuppen verschrien ist. Auch vor einigen Wochen ereignete sich wieder ein versuchter Angriff auf eine Gruppe Jugendlicher auf dem Parkplatz vor der Disco, wo sich zu diesem Zeitpunkt etwa 15 Neonazis befanden. Nach einer kurzen Rangelei mit einem alternativen Jugendlichen gingen Mitglieder des „NW Tostedt“ auf zwei Freundinnen los, die sich in der Nähe befanden. Eine Person wurde brutal zu Boden geschubst und bedroht, da sie von den Neonazis ebenfalls als links identifiziert wurde, und auch ihrer Freundin wurde Gewalt angedroht. Die Cops, die daraufhin gerufen wurden, beendeten die Auseinandersetzung an diesem Abend fürs erste, die Bedrohungen setzten sich an den folgenden Tagen allerdings fort.

Auch während des Heideblütenfestes am 27.8. kam es zu heftigen Drohungen gegen einen antifaschistischen Jugendlichen. Anscheinend wollen die Tostedter Neonazis jetzt auch in Holm-Seppensen, einem Nachbarort von Buchholz, bestimmen, wer bleiben darf und wer ihnen nicht in den Kram passt.
Während eines kurzen Streitgespräches formierten sich etwa 10 weitere Neonazis um die diskutierenden Personen und drohten dem Jugenlichen körperliche Gewalt an, woraufhin er das Fest verließ, bevor es zu einem Übergriff kommen konnte. Am nächsten Tag traf er auf einer privaten Feier in einem Nachbarort von Tostedt eine der Personen wieder, die ihn am Vortag bedroht hatten, und dieser setzte die Einschüchterungsversuche fort.
Die Neonazis machten ihm klar, sie wüssten sowohl seine Adresse als auch seine Handynummer und er solle sich in Zukunft auf Angriffe vorbereiten.

Gerichtsprozess in Wildeshausen

»Solidarität ist unsere Waffe« stand auf dem weinroten Transparent, das am Mittwoch, 13. Januar 2010, von Neonazist_innen vor dem Amtsgericht Wildeshausen bei einer von »Jungen Nationaldemokraten« (JN) angemeldeten Mahnwache getragen wurde. Neben einem Herzen zeigte das Transparent eine zerbrochene Kette sowie einen Molotowcocktail und entsprach mit diesen beiden letzten Symbolen wohl eher dem Auftreten der „Autonomem Nationalisten“, zu denen sich, neben dem Angeklagte selbst, ein Teil der dort versammelten Demonstrant_innen zurechnen lässt. Angeklagt wegen Körperverletzung und Nötigung war Mario Müller aus Harpstedt, langjähriges Führungsmitglied der sogenannten »Aktionsgruppe Delmenhorst« und mittlerweile auch in Zusammenhängen der NPD Jugendorganisation, den »Jungen Nationaldemokraten« (JN) anzutreffen.
[…]
Darunter befanden sich unter anderem die Neonaziaktivisten Fabian Rath und Werner Emilio Alexander Wagner, welche als umtriebige Elemente innerhalb der jugendlichen Tostedter Neonaziszene gelten. Der »Nationale Widerstand Tostedt« welche dem Spektrum der »Autonomen Nationalisten« zugerechnet werden können agieren in Tostedt im Umfeld der Gruppierung »Gladiator Germania« sowie dem »Streetwear Tostedt«, einem Ladengeschäft des langjährigen Neonaziaktivisten Stefan Silar in Todglüsing. Auch die Neonazisten Marcel Hesse und Jonathan von Seggern aus Delmenhorst nahmen an der Mahnwache teil. Marcel Hesse, gegen im September 2009 selbst ein Prozess wegen Körperverletzung stattfand, trat während des Bundestagswahlkampfs an den Informations- und Propagandaständen der JN und der NPD auf, während Jonathan von Seggern bisher nicht bei parteigebundenen Veranstaltungen zu sehen war, jedoch regelmäßig an Demonstrationen der »Freien Kräfte« teilnahm.

>> Zum kompletten Recherche-Nord-Artikel
>> Zum Artikel der Antifa Delmenhorst

Auf unserer Unterseite Veranstaltungen findet ihr einige interessante Fotos zum Geschehen.

Thor Steinar wurde gehackt

Wer schon immer mal wissen wollte, wer über den Thor-Steinar-Internetversand bestellt, statt brav seinen „Kameraden“ Stefan Silar zu unterstützen, bekommt jetzt die Möglichkeit dazu.
Kurz vor Jahresende wurde der Internetversand der beliebten rechten Szenemarke „Thor Steinar“ sowie die Naziflirtplattform „Ma-Flirt“ gehackt.
Die kompletten Datensätze, darunter auch viele aus dieser Region, werden im Internet zur Verfügung gestellt.
Auch Übereinstimmungen mit Polizeidaten gab es reichlich.

Wir möchten allerdings darauf hinweisen, dass die BestellerInnen nicht alle politisch aktiv sind und die Datensätze daher differenziert ausgewertet werden sollten.

>> Link zum Indy-Artikel

Für die Links zu den Datensätzen checkt die Erweiterungen/Kommentare, da sie ständig aktualisiert werden.

Damals wie Heute

Die AnhängerInnen der heutigen Naziszene in Tostedt sehen sich als direkte Nachfolger der NSDAP-Ortsgruppe Tostedt unter Hitler und damit in der unmittelbaren Tradition des Nationalsozialismus, auch wenn sie durch Kleidung, Musik und Auftreten eher im Stil der „Autonomen Nationalisten“ den Lifestyle linker Jugendkultur kopieren.

Im Jahre 1929 gründete sich die erste Ortsgruppe der NSDAP in Tostedt als quasi zwangsläufige Manifestierung tief verwurzelter antisemitischer und völkischer Tendenzen. Bereits 1919, also weit vor der eigentlich Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933, gab es offene antisemitische Hetzschriften in Lokalzeitungen.
Für reichsweite Empörung sorgte ein Notgeldschein, der im Zuge der bedrohlichen Inflation von jeder Gemeinde selbstständig erstellt werden konnte. Während andere Gemeinden patriotische Heimatabbildungen auf ihre Scheine druckten, wählte die Tostedter Gemeinde ein hochgradig antisemitisches und damit politisches Motiv. Zu sehen waren zwei Personen nach jüdischen Stereotypen, wie sie von Nazipropaganda verbreitet wurden (also mit Hakennasen, krummer Körperhaltung etc.), die an einem Baum aufgehängt waren. Noch deutlicher wird die politische Intention des Motivs durch den ebenfalls abgedruckten Spruch neben dem Bild: „So müss dat all de Schiebers gahn, denn kümmt um Dütschland bäter stahn“.
Dieser nachdrückliche und offen propagierte Antisemitismus war an Menschenverachtung und Hetze selbst für damalige deutsche Verhältnisse ungewöhnlich und wurde darum auch in mehreren überregionalen Zeitungen thematisiert.

Tostedt gehörte zum späteren GAU Ost-Hannover, einer etwa 18 000 km² großen Verwaltungseinheit im „Dritten Reich“ (Vergleich: heutiges Niedersachsen mit etwa 47 600 km²), die bis Kriegsende Bestand hatte. Die erste Hauptstadt dieses GAUs war Buchholz/Nordheide, nicht zuletzt wegen der enorm erfolgreichen Parteiarbeit des GAU-Leiters Otto Telschow, der ab 1930 sogar zum Reichstagsabgeordneten aufstieg. Durch sein hohes Ansehen in der Heideregion und sein fanatisches Engagement für die Ideen des Nationalsozialismus schuf er eine breite Basis für die latent vorhandenen rassistischen und antisemitischen Tendenzen in der Bevölkerung und machte Buchholz zu einer frühen Nazihochburg, was sich besonders in den beachtlichen Wahlergebnissen der NSDAP niederschlug.
Telschow pflegte sehr gute persönliche Kontakte zur Tostedter Ortsgruppe, die ihn durch die praktische Ausführung faschistisch-militaristischer Ideologie, zum Beispiel durch die Errichtung eines Waffenlagers in Tostedt, unterstützte.

Auch in den 1990er Jahren fanden in Norddeutschland Wehrsportübungen mit Beteiligung der Tostedter Neonazis statt, unter anderem lernten sie dort den Umgang mit scharfen Waffen. Auch heutzutage noch glauben die jungen Neonazis, dass sie ihre Ideologie mit Gewalt verbreiten können – die skrupellosen Übergriffe in Tostedt und Umgebung sowie die Bewaffnung durch Schlagstöcke und Quarzsandhandschuhe spiegeln das wider.
Der Bezug der heutigen Neonaziszene wird allerdings noch viel deutlicher. So ließen einige „KameradInnen“ Aufkleber und T-Shirts mit einem romantisch-verklärten Wappen mit Reichsadler und Soldaten aus der NS-Zeit drucken, mit der sie die permanente Existenz der NSDAP-Ideologie herausstellen wollen. „Ortsgruppe Tostedt – 80 Jahre Nationaler Sozialismus“ heißt es in altdeutscher Schrift, im Wappen sind die Jahreszahlen „1929 – 2009″ abgebildet, ein Verweis auf die erste Gründung der NSDAP-Ortsgruppe (s. 1.+2. Bild rechts).
Auch wählt eine kleine Untergruppe der „Gladiatoren“ den Namen „AG Ost-Hannover“ für ihre politische Aktivität – mit ihrer Arbeitsgruppe wollen sie die Struktur des „Dritten Reiches“ durch Verweis auf dessen geographische Einteilung in Gedanken wieder aufleben lassen.

Obwohl es einige Neonazis in Tostedt gibt, die versuchen, sich als Anti-Hitleristen zu präsentieren, praktiziert der größte Teil der extremen rechten Szene den für die meisten Neonazis normalen Hitler-Kult. So zeigen sich die Nazis auch gerne in der Öffentlichkeit, wie sie den rechten Arm zum Hitlergruß erheben, so geschehen zum Beispiel am Rande einer linken Kundgebung vor Streetwear Tostedt am 1. Mai 2009, Torben H. wurde damals für seine provkante Geste festgenommen. Auch in bekannten Internetportalen haben einige Neonazis keine Hemmungen, Fotos zu veröffentlichen, auf denen sie durch den Hitlergruß dem „Führer“ huldigen. Auch eine Stellungnahme aus dem Jahre 1998, in dem es um eine gewaltsame Auseinandersetzung ging, die sich kurz vorher zugetragen hatte, unterschrieben die „Skinheads Tostedt“ (Gründer von „Gladiator Germania“) mit dem Datum „im Jahre 109″, also von Hitlers Geburt an gerechnet.

In anderen Regionen müssen die Nazis mithilfe eines moderneren Auftretens ihre unverändert rassistische menschenverachtende Ideologie verschleiern, um neue Mitglieder anzuwerben. In Tostedt hingegen zieht sogar das offensichtliche, stumpfe „Nazitum“ mit den Parolen und Meinungen von vorgestern.
Umso wichtiger ist es, diese traurige Selbstverständlichkeit endlich zu durchbrechen.

weiterführende Informationen: Buchholz 1925-1945: Die verschwiegenen zwanzig Jahre, http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/18/07b.htm

Auch Jungnazis altern jährlich

Die bekannte Neonaziaktivistin Ann-Kathrin M., die regelmäßig auf öffentlichen Veranstaltungen und Aufmärschen in Erscheinung tritt, feiert am 19.12.09 zusammen mit einer Freundin ihren Geburtstag. Stattfinden soll die Feier in einer privaten Scheune in Vaerloh, einem kleinen Dorf zwischen Tostedt, Heidenau und Sittensen.
Eingeladen sind neben unpolitischen bzw. rechtsoffenen Jugendlichen aus dem Freundeskreis auch fast alle Neonazis aus Tostedt und der näheren Umgebung, aber auch auswärtige Gruppen sollen erscheinen. Unter anderem handelt es sich um die AG Delmenhorst, eine gut organisierte Gruppierung, die nicht nur den aktuellen JN-Vorsitzenden stellt, sondern auch überregional für ihre Gewaltbereitschaft bekannt ist (mehr Informationen gibt es auf dem Blog der Antifa Delmenhorst).
Obwohl es sich um eine großangelegte Feier mit vielen Gästen handelt, wurde seitens der Neofaschistinnen Ann-Kathrin M. und ihrer Freundin probiert, den Veranstaltungsort vor „unerwünschten“ Besuchern geheim zu halten. Mögliche „Störer“ wurden sogar persönlich darauf hingewiesen, dass sie an jenem Abend ausdrücklich nicht erwünscht sind.

Bereits Ende November gab es in Königsmoor ein groß angelegtes Rechtsrockkonzert mit Bands wie Path of Resistance oder Alte Schule anlässlich des Geburtstages von Stefan S. und dem etwa zeitgleichen Jubiläum seines Naziladens „Streetwear Tostedt“. Ann-Kathrin M.s Geburtstag hat zwar an sich keinen politischen Anspruch, trotzdem hat er eine große Bedeutung für die regionalen Strukturen. Einmal bietet sie Nachwuchsnazis und Neueinsteigern die Möglichkeit, sich mit aktiven Neonazis überregional zu vernetzen, auf der anderen Seite geht von den Gästen ein hohes Gewaltpotential aus, sodass die gesamte Region um Vaerloh für eine Nacht praktisch einer „Nationalbefreiten Zone“ ähnelt.

Am selben Abend findet auf dem Hof Nahtz in Eschede die traditionelle „Wintersonnwendfeier“ statt, die jährlich von den großen Kadern der norddeutschen Neonaziszene veranstaltet und besucht wird. Sowohl bei der Winter- als auch der Sommersonnwendfeier sind immer auch Neonazis aus Tostedt/Buchholz und Umgebung vertreten. Vermutlich besuchen die jungen Nazis erst die Wintersonnwendfeier auf dem abgelegenen Bauernhof in Eschede, um im Anschluss auf den Geburtstag in Vaerloh zu fahren, während die älteren Nazikader bis in die Nacht ums Lagerfeuer tanzen und Met trinken.
In Eschede findet vormittags eine angemeldete antifaschistische Demonstration gegen die Wintersonnwendfeier sowie die zahlreichen anderen Veranstaltungen auf dem Hof Nahtz statt. Die Bullen sind schon seit Jahren sehr darum bemüht, diese Gegenaktivitäten auf das Minimum zu reduzieren, umso wichtiger ist die rege Teilnahme von unserer Seite -> nazis-aufhalten.de.


„Scheiße, Anni hat ja nächstes Jahr Geburtstag!“