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Zeit-Blog über Tostedt und „Extremismus“

Wir dokumentieren folgenden Artikel, erschienen im „Störungsmelder“ des Zeit-Blogs am 15.7.2010 um 17:33 Uhr:

Die Folgen der Extremismus-Debatte – das Beispiel Tostedt

Die Formel vom politischen »Extremismus« hat aktuell Hochkonjunktur. War die Extremismus-Theorie lange Zeit Spielwiese konservativer Wissenschaftler und bestimmter Abteilungen des Verfassungsschutzes, so ist sie nun durch die Debatte um die Ausweitung der Bundesprogramme gegen “Rechtsextremismus” u.a. auf “Linksextremismus” durch die neue Familienministerin Schröder in Mode gekommen – mit fatalen Folgen. Die Gleichsetzung von “Rechts” und “Links” verharmlost und relativiert Nazi-Gewalt.

Nach der Extremismus-Theorie gibt es die auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung basierende gesellschaftliche Mitte – und die extremistischen Ränder, welche ebendiese Mitte gefährden. So oder ähnlich lässt sich die ideologisch motivierte Theorie in Kurzform zusammenfassen, die spätestens seit Familienministerin Schröder wieder durch die Diskurse geistert und ihren Ursprung in den Veröffentlichungen der konservativen Politikwissenschaftler Jesse und Backes haben (mehr über die auch in den Sozialwissenschaften deutlich in der Kritik stehende Theorie hier oder hier ab Seite 9).

Die Extremismustheorie ignoriert bewusst, dass beispielsweise der Nationalsozialismus nur möglich war, weil Antisemitismus, Antikommunismus und antidemokratische Einstellungen bis weit in die Mitte der deutschen Gesellschaft verankert waren. Wie absurd und politisch gefährlich die Gleichsetzung von »Links« und »Rechts« ist, belegen zudem die aktuellen Zahlen des Opferfonds CURA. CURA veröffentlichte erst kürzlich eine neu überarbeitete Liste der Todesopfer rassistischer und neonazistischer Gewalt. Von 1990 bis heute wurden 149 Menschen ermordet. Während das Bundeskriminalamt in einer Ende 2009 veröffentlichten Stellungnahme von lediglich 47 Todesopfern ausgeht, berücksichtigt CURA auch solche Mordtaten, die nicht von offensichtlich bekennenden Neonazis verübt wurden. Aufgenommen wurden auch Fälle, die aus neonazistischen und rassistischen Motiven – und dazu zählt auch der Hass auf ›Andersartige‹, ›Fremde‹ oder ›Minderwertige‹ – begangen wurden oder wenn dafür plausible Anhaltspunkte bestehen. Diese erhebliche Differenz aufgrund der Zählweise verdeutlicht: Der Extremismusansatz verunmöglicht es, rassistische, nationalistische und antisemitische Motivationen als gesamtgesellschaftliches Problem, als deutsche »Normalität«, zu begreifen und adäquat zu bekämpfen. Im Gegenteil: Es kommt zu einer Ausblendung und Verharmlosung.

Das Beispiel Tostedt

Wie hier im Störungsmelder schon mehrfach berichtet (hier und hier), ist im Landkreis Harburg seit geraumer Zeit eine neonazistische Schlägerstruktur mit Kameradschaften, einem eigenem Laden und neuerdings mit einer unheilvollen Verbindung aus Rockerclubs und Nazisszene dabei, den Landkreis mittels SA-ähnlichem Terror zu einer Art “National befreiten Zone” umzufunktionieren: da werden antifaschistische Jugendliche in ihrer Wohnung im Schlaf überfallen und verprügelt, Verletze und Übergriffe sind mittlerweile an der Tagesordnung (hier findet sich eine kleine Chronik der Übegriffe aus 2009). Am Pfingstwochenende diesen Jahres kommt es nun zu einer weiteren Eskaltion der Nazi-Gewalt, als nachts eine alternative WG von einer Horde Nazis angegriffen und die Bewohner/innen dabei mit Klappspaten krankenhausreif geprügelt werden. Die viel zu spät eintreffende Polizei lässt die Nazis laufen, stürmt dagegen das Haus und durchsucht dieses ebenso wie die Angegriffenen. Alle Angegriffenen haben mittlerweile Anzeigen wegen “Schwerer Körperverletzung” erhalten.

Über eine spontane Protestdemonstartion am darauffolgendem Tag schreiben Augenzeugen im Blog “Kraut Detection”, auf dem seit vergangenem Jahr Nazi-Übergriffe bekannt gemacht werden: “Am nächsten Tag gab es als Reaktion auf den Angriff eine Spontandemonstration in Tostedt. Vor dem Neonaziladen „Streetwear Tostedt“ in Todtglüsingen hatte sich eine 23- köpfige Gruppe bewaffneter Neonazis versammelt, Stefan Silar trug unter anderem ein Messer und Vogelschreck bei sich. Direkte gewaltsame Konfrontationen mit Neonazis gab es trotz mehrmaliger Provokation nicht. Dennoch wurden alle DemonstrationsteilnehmerInnen auf einer Bahnbrücke eingekesselt, komplett durchsucht und in einen Zug Richtung Hamburg gezwungen, obwohl mehrere Personen ihr Auto oder ihren Wohnsitz in Tostedt hatten oder eigentlich den Zug in die Gegenrichtung Bremen hätten nehmen müssen. Abseits des Bahnhofs wurden mehrere Autos kontrolliert, handelte es sich bei den Insassen um Jugendliche, erhielten sie einen Platzverweis für die gesamte Stadt Tostedt. Nach den Vorkommnissen dieser Tage bemühten sich mehrere PressevertreterInnen um Informationen bei der Polizei. Der Angriff in Wistedt wurde dabei auch bei mehrmaliger Nachfrage verschwiegen oder Informationen verweigert. Über die Spontandemonstration hieß es, gewaltbereite „Linksextremisten“ seien nach Tostedt gereist, um die Konfrontation mit den „Rechten“ zu suchen. Kein Wort über neonazistische Gewaltexzesse. Kein Wort über den Grund der Spontandemonstration. Kein Wort über bewaffnete Neonazis und Linke, die weder Steine noch Flaschen warfen geschweige denn die Bullen angriffen. Ähnlich lautete dann auch der Tenor in der Lokalpresse, wo die AntifaschistInnen auf unseriöse Weise diskreditiert wurden. “

Neben der Untätigkeit und dem gezielten Abwiegeln der Polizei (O-Ton Polizeichef im Landkreis Harburg, Uwe Lehne : “Tostedt ist Bunt. Braun ist auch eine Farbe.”) führt die unhaltbare Gleichsetzung von Links und Rechts mittels der Extremismus-Theorie und die damit einhergehende Entpolitisierung des Konfliktes nun dazu, dass die Polizei mit Führerscheinentzug bei politischen Straftaten droht – egal um was und wen es geht.

Doch die Gleichsetzung von Opfern und Tätern geht noch weiter. Anstatt sich uneingeschränkt solidarisch mit den von Nazi-Gewalt immer wieder betroffenen antifaschistischen Jugendlichen zu erklären und beispielsweise in einer gemeinsamen Veranstaltung die Nazi-Übergriffe zu thematisieren, zeigt das “Forum für Zivilcourage” in Tostedt, welches ansonsten durch die Thematisierung von Nazi-Gewalt wertvolle Arbeit in der Region leistet, durch die Vermittlung der Polizei Tostedt ab Ende August die Ausstellung des Landesverfassungsschutzes Niedersachsen zum Thema Rechtsextremismus und eben auch Linksextremismus. Botschaft dieser Ausstellung dürfte ebenso sein: Links gleich Rechts. Alles irgendwie gleich und irgendwie abzulehnen. Alles Extremisten. Dass Nazis seit geraumer Zeit versuchen, alles was anders ist, im Landkreis von der Straße zu prügeln, ist dann kein Thema mehr. Und dass diejenigen, die sich noch gegen diesen Terror wehren, mit den Nazi-Tätern auf eine Stufe gestellt werden, ebensowenig.

Auf der Welle des Extremismus-Diskurses ist es einer offenbar auf dem rechten Auge sehr sehschwachen Polizei gelungen, zivilgesellschaftliche gegen antifaschistische Kräfte auszuspielen und dabei die antifaschistischen Jugendlichen in der Öffentlichkeit als ebenso gefährlich wie die Nazis zu diskreditieren und kriminalisieren. Gerade antifaschistische Jugendkulturen gehören für Nazi-Strukturen jedoch zu den schwierigsten Hindernissen beim Aufbau von nationalen “No-Go-Areas” . Sie stehen den Nazis beim Aufbau einer jugendkulturellen Hegemonie im Weg, da sie sich nicht einfach so einschüchtern lassen und selbst eine eigene jugendkulturelle Alternative bieten.

Umso stärker ist den zivilgesellschaftlichen Kräften im Landkreis Harburg anzuraten, das breite Bündnis mit den Angegriffenen zu suchen, um Schritt für Schritt die Nazis effektiv zurückzudrängen. Die Extremismus-Theorie will jedoch genau dies verhindern – sie kriminalisiert antifaschistisches Engagement und stärkt damit den Vormarsch der Nazis. Die Extremismus-Theorie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte – sie ist einfach zu gefährlich.

>> Hier geht’s zum Original

Wir hätten es nicht besser ausdrücken können :)
Vielen Dank an den aufmerksamen Leser und Autor des Artikels Jan Jetter

Video: Naziaktivitäten in Tostedt

Internetfund:

Vielen Dank an die GenossInnen, die dieses Video erstellt haben!
<3
Vielen Dank für eure Solidarität!

Gedenken an Gustav Schneeclaus

Seit der Wende 1990 sind 149 Menschen Todesopfer neonazistischer Gewalt geworden. Der 18. März 1992 wurde dem Kapitän Gustav Schneeclaus zum Verhängnis. Er wurde am Buxtehuder Busbahnhof von Neonazis zusammen geschlagen und erlag vier Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Einer der beiden Täter, Stefan Silar, spielt heute eine führende Rolle in der Kameradschaftsszene um Tostedt/Wistedt und Umgebung.

>> Zum indymedia-Artikel
>> Antifaschistischer Arbeitskreis Gedenken an Gustav Schneeclaus

Naziaktivitäten am Wochenende

Freitag
Das erste mal seit Jahren erlaubt die Stadtverwaltung einen Bandabend im Buchholzer Jugendzentrum, und prompt steht die Neonaziszene auf der Matte.
Auf der Suche nach neuen Opfern für ihre Gewalttaten patroullierten mehrere Neonazis samt Autos durch die Buchholzer Innenstadt, zeitweilig sammelten sie sich sogar auf dem City-Center-Parkplatz in beinahe unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort.
Die ganze Zeit über hielten sie telefonisch Kontakt zu einem bekannten Anti-Antifa-Aktivisten aus Tostedt, der während des gesamten Konzertes geduldet wurde, obwohl die VeranstalterInnen ausdrücklich auf seinen politischen Hintergrund aufmerksam gemacht wurden. Auch viele alternative Jugendliche gingen freundschaftlich mit ihm um, weil sie ihn nur aus seiner linken Vergangenheit kannten und seinen „Umstieg“ trotz mehrmaliger öffentlicher Thematisierung bisher nicht wahrhaben wollten.
Mit einer kleinen Digitalkamera fotografierte er gezielt ihm bekannte Personen ab und versuchte bereits gegen 21 Uhr unentdeckt über die unbeleuchteten Grünflächen des Rathausparks in Richtung der übrigen Neonazis zu verschwinden. Allerdings misslang sein Vorhaben. In einer direkten Auseinandersetzung wurde er dazu genötigt, sämtliche Fotos von seiner Speicherkarte zu löschen und ihm wurde verdeutlicht, dass er auf keiner öffentlichen Veranstaltung mehr erwünscht ist, schon gar nicht auf einem alternativ angehauchten Indie/Punk-Konzert.
Im Laufe des Abends kam es in der Nähe des Bahnhofs außerdem zu einem brutalen Übergriff auf einen bekannten Antifaschisten, der in der Vergangenheit schon öfter gezielten Einschüchterungsversuchen ausgesetzt und mehrmals direkt angegriffen wurde.
Er befand sich allein auf dem Weg in die Innenstadt, als er mit einem stumpfen Gegenstand von hinten niedergeschlagen wurde. Als er am Boden lag, traten die drei TäterInnen auf ihn ein. Sie stammen nicht aus der näheren Umgebung und flohen mit dem Auto.

Samstag
In der darauf folgenden Nacht fiel wieder einmal das bekannte Familienhaus in Wistedt/Tostedt den Gewaltexzessen der Neonazis zum Opfer. Mit roher Gewalt wurden eine Scheibe und eine Glastür zerstört, nachdem bereits Anfang November die Wohnzimmerscheibe zu Bruch ging (hier geht es zum Bericht… für diejenigen, die den ersten Link nicht geahnt haben). Damit gehen die gezielten Einschüchterungen weiter, obwohl bereits die letzten Angriffe in den Medien umfangreich thematisiert wurden. Weder die negative Öffentlichkeitswirkung noch die versuchte Intervention der staatlichen Repressionsorgane (Hausdurchsuchungen bei einigen AnhängerInnen der Nachwuchs-Neonaziszene) hinderten die gewaltbereiten NeofaschistInnen an ihrem Handeln.
Auch der restliche Ort Tostedt blieb von Neonaziaktivitäten nicht verschont. Auf einer privaten Geburtstagsfeier kam es während und nach der Feier zu zwei gewaltsamen Übergriffen auf eingeladene Gäste, nachdem eine Gruppe von etwa 15 NeonazistInnen Konfliktsituationen provozierte.

Who’s Next?

Dass die Tostedter Neonazis zeitweilig sehr unausgelastet sind, da ihr Heimatdorf nur wenige Freizeitmöglichkeiten anbietet, zeigte sich erneut am letzten Wochenende.
Wie sonst kann mensch erklären, dass ein voll besetztes Auto mit sämtlich vermummten Insassen mehrere Stunden lang um die Tostedter Bahnhofsgegend patroullierte, weil zwei AntifaschistInnen nachmittags bei ihrer Ankunft mit dem Zug sowohl dem Neonazi Christoph R. begegneten, als auch das silberne Auto von Kjell R. von weitem erblickten. Nach einem schnellen und beherzten Anruf verschwand selbiger Kleinwagen, um nach etwa 20 Minuten samt weiterer gewaltbereiter Neonazis zum Bahnhof zurückkehrte und dort mehrmalig auf- und abfuhr.
Da die Neonazis allerdings in ihrer Kindheit lieber Kekse verkauften, als Verstecken zu spielen, entdeckten sie die beiden AntifaschistInnen nicht, obwohl die beiden ihrerseits von ihrem Standort aus die etwa zweistündige erfolglose „Jagd“ nach ihnen genau beobachten konnten.

Hurra, 1. Nazi-Fanpage!

Wir freuen uns über die erste Fanpage zu unserem Projekt Kraut Detection, denn anscheinend hat es die Neonazis da getroffen, wo es ihnen weh tut. Das bestätigt uns darin, auch weiterhin zu veröffentlichen, was sich die Neofaschisten in Tostedt und Umgebung leisten.

Mit dem Namen „Ost Hannover“ nimmt die Seite bereits im Namen direkten Bezug auf das 3. Reich und die NSDAP. Ost Hannover war einer der GAUs, in die das Deutsche Reich von der NSDAP aufgeteilt wurde. Sitz des GAUs war zunächst Buchholz, damit liegt auch Tostedt im Bereich dieser ehemaligen Verwaltungseinheit.
Auch antisemitische Hetze muss mensch nicht lange suchen, ein Blick auf den Titel der Seite genügt.

Zwar findet mensch weder Argumente noch Beweise, nicht einmal die versuchte Widerlegung der Vorkommnisse, die wir dokumentiert haben.
Lediglich in einem Beitrag, der hauptsächlich aus der unveränderten und unkommentierten Kopie unseres Beitrags „Was bisher geschah“ besteht, wurde der Versuch unternommen, unsere Inhalte zu karikieren.
Die Aussagen konnten anscheinend nicht negiert werden, also beschränken sich die Neonazis darauf, einfach einige Falschaussagen hinzuzufügen. Darunter befinden sich sowohl lustige als auch gewaltverherrlichende und makabere Inhalte.
Wir möchten hier nur 2 von vielen erfundenen Aussagen zitieren:

Wir möchten uns ganz besonders bei den Neonazis Christoph R. und Fabian R. bedanken, da sie sich als begeisterte Leser unseres Blogs zu erkennen geben. Wir freuen uns schon jetzt auf viele weitere fantasievolle Beiträge, über die wir uns hoffentlich genauso gut amüsieren können.

Also, liebe LeserInnen: Augen auf beim Keksekauf!

Das war wohl nix.

So etwas passiert, wenn Werner Alexander Emilio W. sich aus lauter Profilierungsdrang vor seinen „Kameraden“ in der Internet-Community SchülerVZ nicht mehr beherrschen kann. Er kann offensichtlich nicht nur Antifaschist_innen bedrohen, um sich dann von den älteren „Gladiatoren“ beschützen zu lassen. Auch das schlimmste Verbrechen in der bisherigen Geschichte der Menschheit leugnet er ohne schlechtes Gewissen und findet sich auch noch lustig dabei.

Dass die „Holoklaust“-Leugnung kein schlechter Witz ist, sondern den Straftatbestand der Volksverhetzung darstellt, scheint ihm dann wohl doch klar geworden zu sein. Denn nur wenige Minuten später war die antisemitische Hetze wieder verschwunden, nun ersetzt durch einen Pinnwandeintrag in ganz anderem Tonfall.

Lieber Emilio, in Zukunft solltest du mal ein Geschichtsbuch ohne gefälschte „Beweise“ zur Hand nehmen und begreifen, dass eine geschichtliche Tatsache keine „Meinung“ ist, die mensch verdrehen kann.

Wahlk(r)ampf

In der Schlussphase des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2009 wurde auch die NPD so langsam munter. Obwohl die anderen Parteien mit Plakaten im Großformat bereits seit Wochen auf Stimmenfang waren, bekam man von der rassistischen Propaganda der Nazipartei in Buchholz und Tostedt noch nicht viel mit.
Schließlich wurden drei Tage vor der Wahl, also am Donnerstag, dem 24.9., doch etwa 40 Plakate aufgehängt.
Besonders betroffen war die Strecke an der B75 von Dibbersen bis nach Tostedt sowie der Nordring am Rande des Buchholzer Gewerbegebietes.
Etwa einen Tag später waren alle Plakate wieder verschwunden.

Was bisher geschah…

Keines der Ereignisse liegt länger als ein Jahr zurück.


* Eine linke Jugendliche, die zuvor in der Nähe einer antifaschistischen Kundgebung gesehen wurde, wird von ca. 5 Neonazis in einen VW-Bus gezogen, bedroht und anschließend verprügelt. Ein Passant findet sie regungslos am Straßenrand. Sie wird ins Krankenhaus eingeliefert.

* Drei vermummte Neonazis versuchen, durch die Hintertür in das Zimmer eines Antifas einzudringen, während er schläft. Durch Zufall betritt der Vater den Raum und kann sie im letzten Moment zur Tür hinaus drängen.

* Eine private Feier von und AnhängerInnen der Punkszene aus Tostedt wird von einer Gruppe Neonazis angegriffen. Sie werden von den BesucherInnen vertrieben.

* In Buchholz wird die Haustür eines Sankt-Pauli-Ultra‘ eingetreten und mit „Anti-Antifa“ Aufklebern versehrt.

* In Folge dessen findet eine antifaschistische Demonstration durch die Buchholzer Innenstadt statt, die von einer Gruppe aus etwa 15 Nazis angegriffen wird. Zuvor hatten sie versucht, einige DemonstrantInnen abseits der Demo in einem Supermarkt anzugreifen. Nach der Veranstaltungen flüchten sie zur Polizeiwache, weil sie sich gegenüber den DemonstantInnen in der Unterzahl sehen.

* In Buchholz werden zwei alternative Jugendliche von 3 Neonazis mit Pfefferspray angegriffen.

* Ein vermeintlicher „politischer Gegner“ wird auf einer Party von einem jungen Neonazi in eine Falle gelockt, wo er von 10 seiner Kameraden umringt und verprügelt wird.

* In Hollenstedt wird ein Jugendlicher in der Schule von zwei Neonazis verprügelt.

* In der Diskothek „Padam Riepe“ wird ein Jugendlicher von einer Gruppe Neonazis mit „Gladiator Germania“-Shirts angegriffen. Mehrere Jugendliche eilen dem Opfer zur Hilfe und sehen sich daraufhin ebenfalls den Angriffen der Nazis ausgesetzt. Die Schlägerei wird von der Polizei auf gelöst.

* Am 1.Mai 09 probiert eine Gruppe von ca. 30 AnhängerInnen der Neonaziszene Norddeutschlands eine Spontankundgebung von AntifaschistInnen in Tostedt anzugreifen. Sie werden an der zweiten Polizeisperre aufgehalten. Unter den bekannten Nazis sind AnhängerInnen von „Galdiator Germania“ und den „Freien Nationalisten Tostedt“ sowie den „Snevern Jungs“ und den Freien Kräften aus Hildesheim.

* Am Rande der antifaschistischen Kundgebung wird ein Nazi von der Polizei verhaftet, da er den Hitlergruß zeigte.

* In den Abendstunden des 1. Mai wurden zwei alternative Jugendliche von 3 „Gladiatoren“ zusammen geschlagen, die in Autos herumfuhren und nach Opfern suchten. Die beiden müssen anschließend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Stefan Silar war beteiligt, blieb aber im Hintergrund stehen.

* In Hollenstedt und Tostedt wird mehreren Jugendlichen, die sich wiederholt gegen Nazis ausgesprochen hatten, der Zutritt zu öffentlichen Festen wie dem Schützenfest von Neonazis untersagt. Sie werden systematisch ausgeschlossen und terrorisiert, ohne dass sich die Bürger daran stören.

* Ein Anhänger der Punkszene in Tostedt wird auf einer Party ins Gebüsch gezogen und dort von mehreren Neonazis verprügelt.

* In der Diskothek „Padam Riepe“ wurde ein „politischer Gegner“ von einer Gruppe von 30 Neonazis angegriffen.

* Das Haus eines Jugendlichen, der für seinen „offenen Brief“, in dem er die Politiker zur Schließung von Streetwear Tostedt aufgefordert hatte, über 400 Unterschriften gesammelt hatte, wird von einer Gruppe Neonazis angegriffen. Mehrere Scheibe gehen zu Bruch, seine Familie befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch im Haus. Über die Lokalzeitung hatten die Nazis seinen vollen Namen erfahren.

* Eine Demonstration zu diesem Anlass wurde von mehreren AnhängerInnen der neonazistischen Szene gestört.

* Bei einem „Andersdenkenden“ wird der Zaun eingetreten.

* Im Verlauf des Todtglüsinger Schützenfestes wird ein Jugendlicher von einer ca. 20-köpfigen Gruppe Neonazis verprügelt. Dem Jugendlichen wird die Nase gebrochen, er erleidet mehrere Prellungen. Anschließend zieht die Gruppe Neonazis in den Nachbarort, um das Haus eines anderen Jugendlichen anzugreifen.

* Das Auto eines Jugendlichen wird mehrmals von Neonazis angegriffen und zum Teil schwer beschädigt.

* In Tostedt und Wistedt patroullieren Neonazis regelmäßig vor den Häusern von „politischen Gegnern“ und alternativen Jugendlichen.

* In Wistedt wird einem alternativer Jugendlichen von 3 Neonazis aufgelauert. Er wird bedroht und eingeschüchtert.

* In Hollenstedt wird einem Jugendlichen auf offener Straße der Lauf eines Gewehres ins Gesicht gehalten. Er erhält eindeutige Drohungen.

* In Tostedt hat sich eine Anti-Antifa-Struktur gebildet. Die AnhängerInnen fotografieren und sammeln Informationen von Antifas und anderen „politischen Gegnern“.

* Neonazis suchen mit Steckbriefen nach „politischen Gegnern“ in Tostedt. Auf Informationen zu den „Gesuchten“ wird ein Kopfgeld in unbekannter Höhe ausgesetzt.

* Zwei Neonazis stoßen einen Antifaschisten vom Fahrrad und zerstören es vor seinen Augen.

* Dieselbe Person wird mit seiner Freundin von einer Gruppe von Nazis mit Baseballschlägern verfolgt.

* Neonazis veröffentlichen Fotos von ihnen bekannten Gegnern in Internet-Communitys und versehen sie mit dem Aufruf: „Dich kriegen wir auch noch!“

* 2 Neonazis versuchen, das Wohnhaus eines Jugendlichen mit Steinen anzugreifen. Die beiden werden rechtzeitig erkannt und von der Polizei aufgegriffen.

* In Sittensen werden die Scheiben eines alternativen Jugendlichen eingeschmissen.

* Eine interne Schulveranstaltung zum Thema „Neofaschismus“ wird von einer Gruppe Neonazis gestört. Mit dabei sind unter anderem Stefan Silar und Matthias Behrens, der Kandidat der NPD aus Schneverdingen. Matthias Behrens wird aus dem Saal getragen, da er sich weigert, zu gehen.

* Eine Gruppe von 15-20 Neonazis randaliert auf dem Buchholzer Stadtfest. Die ganze Gruppe bekommt einen Platzverweis für die Buchholzer Innenstadt. Am Rande des Stadtfestes kommt es an mehreren Stellen zu Pöbeleien und Drohungen.