Archiv der Kategorie 'Naziaktivitäten'

Antifa Kundgebung mit LKW-Konzert

Am 10. September 2011 findet im niedersächsischen Dorf Tostedt eine antifaschistische Kundgebung mit LKW-Konzert statt. Unter dem Motto „Love Music, Hate Fascism – Für eine antifaschistische Jugendkultur!“ hat die Kampagne Landfriedensbruch diese erneute Antifa-Aktion in Tostedt organisiert.
Mehrere Bands wollen gemeinsam mit Antifas den Ort rocken und örtliche Antifa-Strukturen stärken.

Tostedt? Dazu fällt einem zumeist erst der Naziterror im Örtchen in der Nordheide ein. Seit Jahren ist in Tostedt eine aktive und gewalttätige Neonaziszene etabliert. Durch unzählige Übergriffe auf alle Menschen, die sie als Gegner_innen ausgemacht haben, versuchen die örtlichen Nazis eine rechte Hegemonie in Tostedt herzustellen. Das rechte Problem wurde dort zumeist totgeschwiegen oder verharmlost. In den 1990er Jahren wurden die Nazis sogar durch ein Streetworkprojekt gefördert, während gleichzeitig antifaschistische Initiativen kriminalisiert wurden.

Bis heute hält der niedersächsische Inlandsgeheimdienst, der sog. „Verfassungsschutz“ und das Landeskriminalamt seine schützenden Hände über die Nazis. Nur wenn es zu öffentlichen Protesten oder einer überregionalen medialen Resonaz kommt, gehen auch die Behörden gegen die Nazischläger vor. Dreh- und Angelpunkt der extrem rechten Szene in Tostedt ist das Ladengeschäft „Streetwear Tostedt“. Betrieben wird dieser Laden vom Naziaktivisten und verurteilten Totschläger Stefan Silar. Dieser ist nicht nur Anführer der regionalen Szene, sondern gehört auch dem Führungskreis der norddeutschen Naziszene an und organisiert regelmäßig RechtsRockkonzerte.
Für nicht-rechte und antifaschistische Jugendliche war Tostedt über Jahre fast eine NoGo-Area. Wer sich dort gegen Rechtss engagierte, musste mit Übergriffen rechnen. Eingeschlagene Fensterscheiben, beschädigte Autos, Bedrohungen auf offener Straße und Überfälle waren die Antworten der Nazis.
Im Oktober letzten Jahres haben sich verschiedene antifaschistische Gruppen aus Niedersachsen und Hamburg zur Kampagne Landfriedensbruch zusammengeschlossen, um die Tostedter Verhältnisse zu verändern, den Naziterror zu stoppen und antifaschistische Initiativen vor Ort wieder aufzubauen und zu stärken. Offensiv soll sich den Nazis dort entgegengestellt werden. So fanden u.a. Flugblattaktionen, Infoveranstaltungen, Kundgebungen und eine Demonstration statt. Mittlerweile konnten die Aktivitäten und Übergriffe der Nazis eingeschränkt werden.

Um auch weiterhin den Nazis in Tostedt auf die Füße zu treten und gleichzeitig eine antifaschistische Jugendkultur zu stärken, findet am 10. September 2011 eine antifaschistische Kundgebung mit Konzert statt.

Um die Situation in Tostedt nachhaltig zu verändern und die Neonazis zurückzudrängen, ist ein langer Atem und kontinuierliches antifaschistisches Engagement erforderlich.
Die Kundgebung mit Konzert richtet sich zum einen gegen nationalistische, rassistische und sexistische Denkweisen und zum anderen soll Jugendlichen eine Plattform geboten werden, sich zu informieren und auszutauschen. Auf Wunsch Tostedter Jugendlicher findet die Veranstaltung am 10. September 2011 statt, um ihnen einen Raum ohne Nazis zu schaffen und sie in ihrem Engagement vor Ort zu unterstützen. Erklärtes Ziel der Kampagne Landfriedensbruch ist es, mit unterschiedlichen Aktionen Aufklärung zu leisten und zu antifaschistischem Handeln gegen Neonazis in Tostedt und anderswo zu motivieren.

Landfriedensbruch.tk

„you are so fake, ***“

Social Networks sind zu einem der wichtigsten Kommunikationsmittel unserer Generation geworden. Das scheinen jetzt sogar die letzten Dorfnazis aus Tostedt verstanden zu haben, denn sie versuchen mit zahlreichen falschen Profilen und Gruppenseiten, an Informationen zu gelangen.

Daher möchten wir darauf hinweisen:

bei der Seite „Antifa-Info Tostedt“ sowie bei den kopierten Profilen unserer Genoss_innen handelt es sich um Nazi-Fake-Accounts!

Unsere Empfehlung: Profile für Nicht-Freunde unsichtbar machen. Freundesliste ausmisten. Information weiterleiten. Und vor allem: bei neuen Freundschaftsanfragen vorher absichern, dass am anderen Ende des Bildschirms auch die richtige Person sitzt.

Auch wenn wir eure schlechten Annäherungsversuche irgendwie niedlich finden (:

Vortrag über Tostedter Verhältnisse in Buxtehude

In antifaschistischen Kreisen ist es hinlänglich bekannt, dass in Tostedt unerträgliche Verhältnisse herrschen. Jede_r die/der sich in dem Ort gegen Naziaktivitäten engagiert, wird selbst zum Ziel gewalttätiger Attacken.
In der Presse wird das Thema verharmlost, Opfer zu Tätern gemacht, und die angeblichen Erfolge der Polizei zum Anlass genommen, die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, werden Aktivisten aus Lüneburg und Tostedt einen Vortrag halten mit dem Titel: „Was ist los in Tostedt? Infoveranstaltung zu den Naziaktivitäten und Strukturen in Tostedt, wie diese sich dort etablieren konnten und was dagegen getan werden kann.“

Datum: 26.01.11 ab 19:00

Achtung! Der Veranstaltungsort wurde geändert. Jetzt:
Ort: Opiz in Buxtehude (An der Rennbahn 9a)

Ankündigung der Antifa Buxtehude

Vortrag im Antifa-Cafè Hamburg

Freitag 01.10. – geöffnet ab 19:00, Veranstaltungsbeginn 20:00 Uhr
Hafen-VoKü, Hafenstrasse 116, 20359 Hamburg
Der Tofu-Club bietet Hot-Dogs an.

AntifaschistInnen aus Tostedt sind zu Gast und berichten über die aktuelle Situation in ihrer Stadt. Der kleine Ort in Niedersachsen ist dieses Jahr aufgrund von gewalttätigen Übergriffen von Nazis auf linke Jugendliche vermehrt in die Schlagzeilen geraten. Der Großteil dieser Übergriffe findet allerdings im Verborgenen statt und schafft es weder in die Öffentlichkeit noch finden sie sich in den offiziellen Statistiken rechter Gewalttaten.
Es ist mehrheitlich die Rede von Rivalitäten unter Jugendlichen; ein politischer Hintergrund wird geleugnet. Dabei wird jedoch nicht nur die aktuelle Situation falsch dargestellt, sondern auch übersehen, dass es sich bei der Neonaziszene in Tostedt um eine seit mehreren Jahren gewachsene Struktur handelt, die sich erst durch aktive Unterstützung von staatlicher Seite in diesem Maße etablieren konnte.
Mit der Veranstaltung möchten wir eine Gegenöffentlichkeit schaffen. Der Zustand der Verharmlosung ist nicht länger hinnehmbar.

>> Antifa-Cafè Hamburg

Zeit-Blog über Tostedt und „Extremismus“

Wir dokumentieren folgenden Artikel, erschienen im „Störungsmelder“ des Zeit-Blogs am 15.7.2010 um 17:33 Uhr:

Die Folgen der Extremismus-Debatte – das Beispiel Tostedt

Die Formel vom politischen »Extremismus« hat aktuell Hochkonjunktur. War die Extremismus-Theorie lange Zeit Spielwiese konservativer Wissenschaftler und bestimmter Abteilungen des Verfassungsschutzes, so ist sie nun durch die Debatte um die Ausweitung der Bundesprogramme gegen “Rechtsextremismus” u.a. auf “Linksextremismus” durch die neue Familienministerin Schröder in Mode gekommen – mit fatalen Folgen. Die Gleichsetzung von “Rechts” und “Links” verharmlost und relativiert Nazi-Gewalt.

Nach der Extremismus-Theorie gibt es die auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung basierende gesellschaftliche Mitte – und die extremistischen Ränder, welche ebendiese Mitte gefährden. So oder ähnlich lässt sich die ideologisch motivierte Theorie in Kurzform zusammenfassen, die spätestens seit Familienministerin Schröder wieder durch die Diskurse geistert und ihren Ursprung in den Veröffentlichungen der konservativen Politikwissenschaftler Jesse und Backes haben (mehr über die auch in den Sozialwissenschaften deutlich in der Kritik stehende Theorie hier oder hier ab Seite 9).

Die Extremismustheorie ignoriert bewusst, dass beispielsweise der Nationalsozialismus nur möglich war, weil Antisemitismus, Antikommunismus und antidemokratische Einstellungen bis weit in die Mitte der deutschen Gesellschaft verankert waren. Wie absurd und politisch gefährlich die Gleichsetzung von »Links« und »Rechts« ist, belegen zudem die aktuellen Zahlen des Opferfonds CURA. CURA veröffentlichte erst kürzlich eine neu überarbeitete Liste der Todesopfer rassistischer und neonazistischer Gewalt. Von 1990 bis heute wurden 149 Menschen ermordet. Während das Bundeskriminalamt in einer Ende 2009 veröffentlichten Stellungnahme von lediglich 47 Todesopfern ausgeht, berücksichtigt CURA auch solche Mordtaten, die nicht von offensichtlich bekennenden Neonazis verübt wurden. Aufgenommen wurden auch Fälle, die aus neonazistischen und rassistischen Motiven – und dazu zählt auch der Hass auf ›Andersartige‹, ›Fremde‹ oder ›Minderwertige‹ – begangen wurden oder wenn dafür plausible Anhaltspunkte bestehen. Diese erhebliche Differenz aufgrund der Zählweise verdeutlicht: Der Extremismusansatz verunmöglicht es, rassistische, nationalistische und antisemitische Motivationen als gesamtgesellschaftliches Problem, als deutsche »Normalität«, zu begreifen und adäquat zu bekämpfen. Im Gegenteil: Es kommt zu einer Ausblendung und Verharmlosung.

Das Beispiel Tostedt

Wie hier im Störungsmelder schon mehrfach berichtet (hier und hier), ist im Landkreis Harburg seit geraumer Zeit eine neonazistische Schlägerstruktur mit Kameradschaften, einem eigenem Laden und neuerdings mit einer unheilvollen Verbindung aus Rockerclubs und Nazisszene dabei, den Landkreis mittels SA-ähnlichem Terror zu einer Art “National befreiten Zone” umzufunktionieren: da werden antifaschistische Jugendliche in ihrer Wohnung im Schlaf überfallen und verprügelt, Verletze und Übergriffe sind mittlerweile an der Tagesordnung (hier findet sich eine kleine Chronik der Übegriffe aus 2009). Am Pfingstwochenende diesen Jahres kommt es nun zu einer weiteren Eskaltion der Nazi-Gewalt, als nachts eine alternative WG von einer Horde Nazis angegriffen und die Bewohner/innen dabei mit Klappspaten krankenhausreif geprügelt werden. Die viel zu spät eintreffende Polizei lässt die Nazis laufen, stürmt dagegen das Haus und durchsucht dieses ebenso wie die Angegriffenen. Alle Angegriffenen haben mittlerweile Anzeigen wegen “Schwerer Körperverletzung” erhalten.

Über eine spontane Protestdemonstartion am darauffolgendem Tag schreiben Augenzeugen im Blog “Kraut Detection”, auf dem seit vergangenem Jahr Nazi-Übergriffe bekannt gemacht werden: “Am nächsten Tag gab es als Reaktion auf den Angriff eine Spontandemonstration in Tostedt. Vor dem Neonaziladen „Streetwear Tostedt“ in Todtglüsingen hatte sich eine 23- köpfige Gruppe bewaffneter Neonazis versammelt, Stefan Silar trug unter anderem ein Messer und Vogelschreck bei sich. Direkte gewaltsame Konfrontationen mit Neonazis gab es trotz mehrmaliger Provokation nicht. Dennoch wurden alle DemonstrationsteilnehmerInnen auf einer Bahnbrücke eingekesselt, komplett durchsucht und in einen Zug Richtung Hamburg gezwungen, obwohl mehrere Personen ihr Auto oder ihren Wohnsitz in Tostedt hatten oder eigentlich den Zug in die Gegenrichtung Bremen hätten nehmen müssen. Abseits des Bahnhofs wurden mehrere Autos kontrolliert, handelte es sich bei den Insassen um Jugendliche, erhielten sie einen Platzverweis für die gesamte Stadt Tostedt. Nach den Vorkommnissen dieser Tage bemühten sich mehrere PressevertreterInnen um Informationen bei der Polizei. Der Angriff in Wistedt wurde dabei auch bei mehrmaliger Nachfrage verschwiegen oder Informationen verweigert. Über die Spontandemonstration hieß es, gewaltbereite „Linksextremisten“ seien nach Tostedt gereist, um die Konfrontation mit den „Rechten“ zu suchen. Kein Wort über neonazistische Gewaltexzesse. Kein Wort über den Grund der Spontandemonstration. Kein Wort über bewaffnete Neonazis und Linke, die weder Steine noch Flaschen warfen geschweige denn die Bullen angriffen. Ähnlich lautete dann auch der Tenor in der Lokalpresse, wo die AntifaschistInnen auf unseriöse Weise diskreditiert wurden. “

Neben der Untätigkeit und dem gezielten Abwiegeln der Polizei (O-Ton Polizeichef im Landkreis Harburg, Uwe Lehne : “Tostedt ist Bunt. Braun ist auch eine Farbe.”) führt die unhaltbare Gleichsetzung von Links und Rechts mittels der Extremismus-Theorie und die damit einhergehende Entpolitisierung des Konfliktes nun dazu, dass die Polizei mit Führerscheinentzug bei politischen Straftaten droht – egal um was und wen es geht.

Doch die Gleichsetzung von Opfern und Tätern geht noch weiter. Anstatt sich uneingeschränkt solidarisch mit den von Nazi-Gewalt immer wieder betroffenen antifaschistischen Jugendlichen zu erklären und beispielsweise in einer gemeinsamen Veranstaltung die Nazi-Übergriffe zu thematisieren, zeigt das “Forum für Zivilcourage” in Tostedt, welches ansonsten durch die Thematisierung von Nazi-Gewalt wertvolle Arbeit in der Region leistet, durch die Vermittlung der Polizei Tostedt ab Ende August die Ausstellung des Landesverfassungsschutzes Niedersachsen zum Thema Rechtsextremismus und eben auch Linksextremismus. Botschaft dieser Ausstellung dürfte ebenso sein: Links gleich Rechts. Alles irgendwie gleich und irgendwie abzulehnen. Alles Extremisten. Dass Nazis seit geraumer Zeit versuchen, alles was anders ist, im Landkreis von der Straße zu prügeln, ist dann kein Thema mehr. Und dass diejenigen, die sich noch gegen diesen Terror wehren, mit den Nazi-Tätern auf eine Stufe gestellt werden, ebensowenig.

Auf der Welle des Extremismus-Diskurses ist es einer offenbar auf dem rechten Auge sehr sehschwachen Polizei gelungen, zivilgesellschaftliche gegen antifaschistische Kräfte auszuspielen und dabei die antifaschistischen Jugendlichen in der Öffentlichkeit als ebenso gefährlich wie die Nazis zu diskreditieren und kriminalisieren. Gerade antifaschistische Jugendkulturen gehören für Nazi-Strukturen jedoch zu den schwierigsten Hindernissen beim Aufbau von nationalen “No-Go-Areas” . Sie stehen den Nazis beim Aufbau einer jugendkulturellen Hegemonie im Weg, da sie sich nicht einfach so einschüchtern lassen und selbst eine eigene jugendkulturelle Alternative bieten.

Umso stärker ist den zivilgesellschaftlichen Kräften im Landkreis Harburg anzuraten, das breite Bündnis mit den Angegriffenen zu suchen, um Schritt für Schritt die Nazis effektiv zurückzudrängen. Die Extremismus-Theorie will jedoch genau dies verhindern – sie kriminalisiert antifaschistisches Engagement und stärkt damit den Vormarsch der Nazis. Die Extremismus-Theorie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte – sie ist einfach zu gefährlich.

>> Hier geht’s zum Original

Wir hätten es nicht besser ausdrücken können :)
Vielen Dank an den aufmerksamen Leser und Autor des Artikels Jan Jetter

„In der Gruppe sind sie stark“

Trotz zahlreicher Repressionsversuche seitens der Bullerei kommt Tostedt nicht zur Ruhe. Besonders was Einschüchterungsversuche gegenüber alternativen Jugendlichen angeht, ist der „NW Tostedt“ wieder mal ganz vorne mit dabei. Ihre vermeintliche Macht demonstrieren die Neonazis verstärkt dadurch, dass sie wesentlich jüngere und zahlenmäßig unterlegene Jugendliche psychisch unter Druck setzen wollen.

So kam es Ende Juli am hellichten Tag zu einem Übergriff in der Tostedter Innenstadt auf einen Antifaschisten, der in den letzten Monaten wiederholt Drohungen ausgesetzt war. In der Bahnhofstraße begegnete er zwei bekannten Neonazis aus dem Umfeld von „Gladiator Germania“, die ihn sofort attackierten. Die kräftig gebauten Neonazis schlugen dem Antifaschisten mehrfach mit der Faust ins Gesicht, brachten ihn zu Boden und traten noch einige Male auf die am Boden liegende Person ein. Außerdem zerstörten sie durch gezielte Tritte das mitgeführte Fahrrad. Nach diesem überraschenden Übergriff verschwanden die Täter ohne jede Hast in Richtung Innenstadt.

Auch die Discothek „Padam Riepe“ diente den Tostedter Neonazis wieder einmal als Ort zum Feiern, zum Provozieren und als geeigneter Ort, um alternative Jugendliche durch Drohungen und körperliche Übergriffe einzuschüchtern. Ursprünglich galt die Disco als Treffpunkt für linksalternative Personen, auch Antifa-Plakate hingen an den Wänden. Eigenhändig verwies der Besitzer Neonazis unsaft seiner Discothek. Doch diese Zustände haben sich seit den 90er Jahren rapide geändert.
Vielen Jugendlichen bleibt besonders die starke Neonazipräsenz in der Diskothek in Erinnerung. Nicht selten posieren einheitlich im „Gladiator Germania“-Shirt oder mit anderen offensichtlichen Kleidungsstücken gekleidete Neonazis mit einer Gruppenstärke bis zu 20 Personen am Rande der Tanzfläche oder spielen sich als Security auf. Neben den Neonazis tummelt sich im „Padam“ auch das rechtsoffene Umfeld der Neonazis. Gemeinsam mit den Neonazis beteiligen sich deren Sympathisant_innen an Angriffen und Hetzjagden, unter anderem auf zwei Journalisten, die kritisch über die Neonaziszene berichten. Nicht selten enden diese versuchten Übergriffe in Massenschlägereien.
Linksalternative Jugendliche trauen sich oft nicht mehr nach Riepe, oder sie werden während ihrer Anwesenheit in der Disco daran erinnert, warum das „Padam“ als Nazischuppen verschrien ist. Auch vor einigen Wochen ereignete sich wieder ein versuchter Angriff auf eine Gruppe Jugendlicher auf dem Parkplatz vor der Disco, wo sich zu diesem Zeitpunkt etwa 15 Neonazis befanden. Nach einer kurzen Rangelei mit einem alternativen Jugendlichen gingen Mitglieder des „NW Tostedt“ auf zwei Freundinnen los, die sich in der Nähe befanden. Eine Person wurde brutal zu Boden geschubst und bedroht, da sie von den Neonazis ebenfalls als links identifiziert wurde, und auch ihrer Freundin wurde Gewalt angedroht. Die Cops, die daraufhin gerufen wurden, beendeten die Auseinandersetzung an diesem Abend fürs erste, die Bedrohungen setzten sich an den folgenden Tagen allerdings fort.

Auch während des Heideblütenfestes am 27.8. kam es zu heftigen Drohungen gegen einen antifaschistischen Jugendlichen. Anscheinend wollen die Tostedter Neonazis jetzt auch in Holm-Seppensen, einem Nachbarort von Buchholz, bestimmen, wer bleiben darf und wer ihnen nicht in den Kram passt.
Während eines kurzen Streitgespräches formierten sich etwa 10 weitere Neonazis um die diskutierenden Personen und drohten dem Jugenlichen körperliche Gewalt an, woraufhin er das Fest verließ, bevor es zu einem Übergriff kommen konnte. Am nächsten Tag traf er auf einer privaten Feier in einem Nachbarort von Tostedt eine der Personen wieder, die ihn am Vortag bedroht hatten, und dieser setzte die Einschüchterungsversuche fort.
Die Neonazis machten ihm klar, sie wüssten sowohl seine Adresse als auch seine Handynummer und er solle sich in Zukunft auf Angriffe vorbereiten.

Video: Naziaktivitäten in Tostedt

Internetfund:

Vielen Dank an die GenossInnen, die dieses Video erstellt haben!
<3
Vielen Dank für eure Solidarität!

Schwerer Übergriff in Hollenstedt

Am 24.4.2010 erreichte die Gewaltbereitschaft der Tostedter Neonazis einen weiteren Höhepunkt, als zwei Bewaffnete in das Haus eines antifaschistischen Jugendlichen eindrangen und ihn und seine Freunde zum Teil schwer verletzten.
[…]
Im Polizeibericht wird der Übergriff mit einem offensichtlich neonazistischen Hintergrund zu einem persönlichen Streit, der seit „geraumer Zeit“ existierte, herunter gespielt und damit die Tatsache verleugnet, dass Neonazis in und um Tostedt gezielt und brutal politische Gegner_innen auszuschalten versuchen.

>> zum kompletten Artikel

3.4.10 – NPD-Kundgebung in Buchholz

Für den 3. April 2010 ruft die neofaschistische NPD zu einer Kundgebung im niedersächsischen Buchholz in der Nordheide auf. Unter dem rassistischen Motto „Kriminelle Ausländer ausweisen“ hat der Unterbezirk Lüneburg der niedersächsischen NPD diese Veranstaltung angemeldet. Dies gilt es gemeinsam zu verhindern!
[…]
Die Nazikundgebung sollte eigentlich schon am 5. Dezember 2009 in Buchholz stattfinden. Aus organisatorischem Unvermögen und weil die NPD übersehen hatte, das an diesem Tag ein größeres Kinderfest stattfand, hatte Manfred Börm damals seine Anmeldung wieder zurückgezogen. Nun will er es erneut versuchen.

>> Vollständiger Aufruf, Hintergründe, Material, …

Die Kundgebung sollte zunächst in der Adolfstraße, also mitten in der Innenstadt und in unmittelbarer Nähe zum Wochenmarkt stattfinden. Die NPD erklärte sich in einem Gespräch mit der Stadt allerdings dazu bereit, die Kundgebung nun auf dem Bahnhofsvorplatz stattfinden zu lassen, der auf zwei Seiten von Bahngleisen abgeschnitten wird.

* ab 12:00 Uhr: Rathausplatz – Bündnisveranstaltung
* ab 13:30 Uhr: Bahnhofsvorplatz – Kreativ und laut sein. Die Kundgebung stören. Wir sind lauter!

Gedenkveranstaltung blieb friedlich

Im Vorfeld der offziellen Gedankveranstaltung an den Mord von Gustav Schneeclaus am 18.3.2010 durch Stefan S. und Stephan K. gab es verstärkt Drohungen und Einschüchterungsversuche von Neonazis aus dem Raum Tostedt.
Doch trotz dieser Ankündigungen blieb es erfreulicherweise friedlich.

Einige Naziautos, darunter der Wagen von Kjell R., wurden am Abend des 18.3. mehrfach in Buxtehude gesichtet. Die beeindruckende Präsenz der Antifastrukturen hielt die Neonazis aber davon ab, die Veranstaltung zu stören, da sie sowohl zahlenmäßig als auch körperlich deutlich unterlegen waren und sich nicht trauten, ihre Autos zu verlassen.

Vielen Dank an alle Menschen, die die Veranstaltungen besucht, unterstützt und geschützt haben.
Vielen Dank an den AK Schneeclaus und die Kreisvereinigung VVN-BdA Stade, die das Gedenken an den Mord von Gustav Schneeclaus lebendig halten.

>> Arbeitskreis Gedenken an Gustav Schneeclaus
mit sehr vielen Hintergrundinformationen (Berichte, Zeitungsartikel, …)

>> Bericht zur offiziellen Gedenkveranstaltung
in Buxtehude am frühen Abend

>> Bericht zu dezentralen Gedenkaktionen
im Raum Buchholz/Tostedt am späten Abend