Für ein besseres Verständnis der lokalen Naziszene werden auf dieser Seite einige Begriffe und Strukturen erklärt.

Streetwear Tostedt

Nach eigenen Angaben handelt es sich bei dem Eckhaus in der Niedersachsenstraße 1 in Todtglüsingen um den „größten Szeneladen Norddeutschlands“. Verkauft werden Kleidungsstücke rechter Szenemarken, T-Shirts mit eindeutigen Aufschriften, CDs, Buttons, Sticker, Bewaffnung uvm. Einlass wird nur nach Gesichtskontrolle gewährt. Der Laden des verurteilten Totschlägers Stefan Silar dient den Nazis als Treffpunkt und Aufenthaltsraum und ist damit das zentrale Element der Neofaschisten, um ihre Strukturen in der Region zu festigen und neue Mitglieder anzuwerben. Schon öfter gab es Angriffe vielfältiger Art auf das Gebäude, daher sind die Scheiben mit Plexiglas und Folie gesichert und besitzen Kameras, die nicht nur das Innere des Ladens sondern auch das Geschehen auf der Straße aufzeichnen.

Stefan Silar

Der Betreiber von „Streetwear Tostedt“ war bereits in den 90er Jahren aktiv. Die damalige Radikalisierung brachte er zu einem traurigen Höhepunkt, als er mit einem weiteren Bonehead den Kapitän Gustav Schneeclaus erschlug, nachdem der Hitler als Verbrecher bezeichnet hatte. Während seiner 7-jährigen Haftstrafe knüpfte Silar gute Kontakte zur organisierten Neonaziszene. Er ist nach wie vor Organisator gut besuchter Rechtsrockkonzerte, organisiert den „Saalschutz Nordmark“ und war am C18-Prozess in Pinneberg beteiligt, obwohl er das gerne leugnet. Seine Aktivität kann in der direkten Nachfolge des „Blood&Honour“-Netzwerkes gesehen werden, in dem er ebenfalls aktiv war. Silar unterhält gute Kontakte zu Kameradschaften und Neonazikadern aus Hildesheim, Schneverdingen, Celle usw. und wirbt immer wieder neue Jugendliche für die Szene an.

Gladiator Germania

Das Logo der Kameradschaft „Gladiator Germania“ ist eine stilisierte Axt, welches auf zahlreichen Kleidungsstücken zu sehen ist. Die Gruppierung hat einen großen Dunstkreis aus unorganisierten Neonazis, aber bildet auch die Basis für die rechte Szene in Tostedt. Die Gründer von GG (die „alten Gladiatoren“) tauchen selten öffentlich auf. Die jüngeren MitgliederInnen hingegen bestimmten den rechten Alltag in Tostedt – Patrouillen, Drohungen, Verfolgungsjagden, Sprühaktionen, kleine und große Übergriffe, die für GenossInnen nicht selten im Krankenhaus enden. Viele „Gladiatoren“ haben keine feste Vernetzung zu auswärtigen Gruppen, agieren dafür in der Region um Tostedt umso gezielter und skrupelloser und stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Die neonazistische Szene in Tostedt bietet das Rundum-Programm: von Ausbildungsplätzen über Partys bis hin zu Hetzjagden auf Antifas, um dem traurigen Dorfalltag zu entgehen.

Nationaler Widerstand Tostedt

In der Gruppierung „NW Tostedt“ tummeln sich die politisch aktiveren Neonazis. Die Mitglieder des NW Tostedt besuchen regelmäßig Aufmärsche und Kundgebungen, sind mit auswärtigen Gruppen vernetzt, betreiben Anti-Antifa-Arbeit und treiben die Radikalisierung der rechten Szene maßgeblich voran. Sie koordinieren Veranstaltungen und gezielte Übergriffe (zB. auf Wohnhäuser von AntifaschistInnen). Der radikale Flügel der Tostedter Neonaziszene rekrutiert für Aktionen wechselnde TeilnehmerInnen aus den übrigen „Gladiatoren“.

Freie Kameradschaft Buchholz

Die Buchholzer Neonazis bilden nominal eine eigene Kameradschaft, die allerdings kaum öffentlich auftritt. Vielmehr sind die Mitglieder in Lüneburg, Tostedt oder Hamburg organisiert. Mit den Tostedter Neonazis haben sie unregelmäßig Kontakt, da die Buchholzer „Kameraden“ weniger gut organisiert sind.

Bunker

Neben Streetwear Tostedt ist der Country Saloon an der B75 der Hauptanlaufpunkt für rechte Jugendliche und oft bis zur Tür mit braunem Dreck gefüllt. Dass eine Kneipe mit amerikanischem Namen den Nazis als Stammplatz dient, scheint niemanden wirklich zu stören. Einmal die Woche treffen sich hier die Neonazis zum Bier trinken.